Kirche oder freie Trauung
Warum es oft gar keine Entscheidung sein muss
Immer wieder sitzen Paare vor uns, die sich in einem einzigen Punkt nicht einig sind: Kirche oder freie Trauung? Manchmal ist einer der beiden noch Mitglied, während der andere längst ausgetreten ist.
Manchmal hängt an einem von beiden noch ein Stück Glauben, eine Kindheitserinnerung an die Dorfkirche, ein Gefühl von Heimat – während der andere mit Kirche eigentlich nie viel zu tun hatte. Und dann liegt die Sorge im Raum, dass am Ende einer von beiden zurückstecken muss, damit der Tag für den anderen stimmt.
Genau in diesen Gesprächen sagen wir gerne einen Satz, der viele Paare sichtlich erleichtert: Das muss keine Entweder-oder-Entscheidung sein.
Wir haben in den letzten Jahren immer wieder wunderbar mit Pastorinnen und Pastoren zusammengearbeitet, und die Erfahrungen damit waren durchweg positiv. Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach: Das Paar entscheidet sich für die Kirche als Ort und für den Segen, den es sich dort wünscht – der Pastor vollzieht das Ehesakrament und gibt den beiden Gottes Segen mit auf den Weg. Und anstelle einer klassischen, oft eher allgemein gehaltenen Predigt zum Thema Ehe wird eine persönliche Hochzeitsrede in den Ablauf des Gottesdienstes eingebunden.
Für uns bedeutet das: intensive Gespräche mit dem Paar, in denen wir ihre Geschichte, ihren Humor, ihre kleinen und großen Meilensteine sammeln – und daraus eine Rede formen, die mitten im Gottesdienst ihren Platz findet.
Für den Pastor oder die Pastorin bedeutet es Entlastung. Mehr als einmal haben wir von überraschten, dankbaren Reaktionen gehört: Wie viel Zeit und Recherche in so eine Rede fließt, das lässt sich neben dem eigenen Beruf kaum leisten. Die Traugespräche mit dem geistlichen Amt bleiben davon unberührt – sie sind wichtig und wertvoll, drehen sich aber naturgemäß eher um Glaubensfragen als um die Liebesgeschichte des Paares selbst. Genau da setzen wir an, und genau deshalb ergänzen sich beide Formate so gut.
Am Ende entsteht so ein Gottesdienst, der zwei Dinge gleichzeitig sein darf: getragen von Tradition, Raum und Ritual der Kirche – und zugleich ganz persönlich, ganz das Paar selbst. Der eine Partner bekommt seinen Wunsch nach dem Segen, den er sich wünscht, den Raum, in dem er sich vielleicht schon als Kind geborgen gefühlt hat. Der andere erlebt eine Zeremonie, in der nicht nur von Glauben im Allgemeinen die Rede ist, sondern von genau dieser einen, ganz eigenen Beziehung.
Uns geht es dabei nie darum, jemanden von einem Weg zu überzeugen. Was wir uns wünschen, ist vor allem eines: Dass Paare wissen, dass sie diese Möglichkeit haben. Dass eine Meinungsverschiedenheit über den Rahmen der Trauung nicht bedeutet, dass am Ende jemand verzichten muss. Manchmal braucht es nur das Wissen, dass zwei Wege sich verbinden lassen – und schon wird aus einem vermeintlichen Konflikt ein gemeinsamer, ganz eigener Weg zum Ja-Wort.

