Rituale in freien Trauungen: Was bleibt, was sich verändert – und was wir wirklich brauchen

Wenn wir bei einer freien Trauung vorne stehen, denken wir manchmal an all die Kirchen, in denen wir als Kinder gesessen haben. Feste Abläufe, feste Worte, feste Reihenfolge.

Und dann schauen wir auf das Paar vor uns – und wissen: Hier gibt es keine Regeln. Nur Möglichkeiten.

Genau das ist für uns das Schönste an freien Trauungen. Zwischen euch beiden entscheidet ihr, wie euer Tag aussieht. Trotzdem gibt es ein paar Abläufe, die viele Paare und Gäste aus der Kirche kennen und mögen – der feierliche Ein- und Auszug, der Ringwechsel, das Ja-Wort, das Eheversprechen, der Kuss. Diese vertrauten Momente können wir aufgreifen, beibehalten oder ganz nach eurem Geschmack verändern.

Der Einzug ist dafür ein schönes Beispiel. Klassisch zieht die Braut an der Seite ihres Vaters ein. Andere Paare mögen die amerikanische Variante, bei der Trauzeugen und Brautjungfern vorweggehen. Manchmal trottet der Familienhund mit einem Schild um den Hals hinterher, oder die Braut entscheidet sich, gemeinsam mit ihrer Mutter einzuziehen. Immer öfter erleben wir auch, dass Frauen nicht mehr “übergeben” werden möchten, sondern gemeinsam mit ihrem Partner einziehen – oder die gemeinsamen Kinder sie nach vorne begleiten. Es gibt so viele schöne Varianten, und keine ist richtiger als die andere.

An diesen kleinen Stellschrauben lässt sich gut zeigen, wie vielfältig eure Gestaltungsmöglichkeiten bei einer freien Trauung sind.

Und davon gibt es während der ganzen Zeremonie viele. Bei Wertvolle Worte gehen wir dabei am liebsten mit Bedacht vor: Jedes Ritual darf seinen Platz haben – aber eben nur dort, wo es wirklich zu euch passt und der Zeremonie noch mehr Tiefe verleiht.

Manche Traurednerinnen und Trauredner arbeiten gerne mit Sandzeremonien, Handfasting oder anderen symbolischen Elementen – und das kann wunderschön sein, wenn es zum Paar passt. Uns liegt dabei besonders am Herzen, dass ihr euch nicht verpflichtet fühlt, so etwas einzubauen: Was ihr in eurer Zeremonie tut – einander ein Lebensversprechen zu geben – ist bereits so groß und so wertvoll, dass es ganz für sich stehen kann. Uns geht es in erster Linie darum, in der Rede herauszuarbeiten, wer ihr als Paar seid und was diese Ehe für euch bedeutet. Rituale sind dabei eine schöne Möglichkeit, das noch greifbarer zu machen.

Wir sind Ritualen gegenüber also nicht verschlossen – ganz im Gegenteil! Wenn es liebgewonnene Traditionen oder kulturelle Besonderheiten gibt, die euch wichtig sind, lassen wir diese sehr gerne in eure Zeremonie einfließen. Auch das ist schließlich ein Ausdruck eurer Individualität als Paar.

Wir erinnern uns an eine Braut, die uns erzählte, dass sie im klassischen Sinne nicht gläubig ist – aber dass es ihr immer viel bedeutet hat, wenn ihre Großmutter ihr zum Abschied ein Kreuz auf die Stirn zeichnete, als eine Art Reisesegen. Also haben wir die Großmutter gebeten, während der Zeremonie die Ringe für das Paar zu reichen – und sie vorher auf genau diese Weise zu segnen. Ein Moment, der so persönlich und berührend war, wie es kein vorgefertigtes Ritual je hätte sein können.

„Uns ist nur wichtig, dass ein Ritual eine sinnvolle, stimmige Ergänzung ist – und nicht aus der Sorge heraus eingebaut wird, die Rede könne allein nicht tragen.“Kurz gesagt: Ein Ritual muss nicht sein, damit eure Zeremonie berührt. Aber wenn es zu euch passt, kann es eine wunderbare Ergänzung sein – so wie bei der Großmutter und ihrem Segen.

Kurz gesagt: Ein Ritual muss nicht sein, damit eure Zeremonie berührt. Aber wenn es zu euch passt, kann es eine wunderbare Ergänzung sein – so wie bei der Großmutter und ihrem Segen.