Wenn die Liebe bleibt: Hochzeit und der Platz für die, die fehlen

Bei fast jeder Trauung, die wir begleiten, gibt es sie: Menschen, die an diesem Tag fehlen. Großeltern, die nicht mehr dabei sein können. Ein Vater, eine Mutter. Manchmal eine Schwester, ein Bruder.

Und manchmal, so schwer das zu schreiben ist, ein eigenes Kind. Viele unserer Paare haben schon Verluste erlitten, bevor sie einander das Ja-Wort geben – und die Frage, wie man damit an einem Tag wie der Hochzeit umgeht, beschäftigt viele von ihnen sehr.

Manche denken, Trauer und ein Glücksmoment wie eine Hochzeitsfeier ließen sich nicht miteinander vereinbaren. Unsere Erfahrung ist eine andere: Gerade an bedeutsamen Tagen werden wichtige Menschen, die man verloren hat, besonders schmerzlich vermisst. Die Gedanken an sie sind da – ganz gleich, ob wir sie ansprechen oder nicht.

Und wenn sie da sind, warum sie nicht einfach einbinden?

Dafür gibt es viele schöne, leise Möglichkeiten. Ein Schmuckstück, das an jemanden erinnert – die Uhr des verstorbenen Vaters, die Kette der Mutter. Ein Platz zwischen den Gästen, der bewusst freigehalten wird, für jemanden, der nicht mehr teilnehmen kann. Eine Braut, die uns besonders in Erinnerung geblieben ist, trug das Bild ihrer Mutter in einem kleinen Medaillon an ihrem Brautstrauß – ganz nah bei sich, ohne dass es die Gäste bemerken mussten. Und es kann sehr tröstlich sein, einen geliebten Menschen in der Rede noch einmal für einen kurzen Moment aufleuchten zu lassen – mit einer Erinnerung, einem Satz, einem Lächeln, das an sie erinnert.

Es gibt so viele Möglichkeiten, auch schmerzvolle Erfahrungen und Trauer anzusprechen, ohne dass sie die Stimmung des Tages dominieren.

Aus unserer Erfahrung ist es fast immer besser, etwas stilvoll zu benennen, als es wegzulassen oder auszublenden. Und das muss gar nicht schwer sein – manchmal reicht ein liebevolles oder fröhliches Zitat der fehlenden Person, das sie für einen Augenblick lebendig werden lässt. Bei über dreihundert Trauungen ist uns inzwischen jede Gefühlsregung begegnet, und wir finden gemeinsam mit unseren Paaren immer den für sie richtigen, authentischen Weg damit umzugehen. Keine noch so dichte, bewegte Atmosphäre lässt sich nicht auch mit Worten wieder auflösen – und in Leichtigkeit und Liebe zurückführen. Alles darf, nichts muss. Und vor großen Gefühlen muss niemand Angst haben: Solange sie wahrhaftig sind, sind sie kostbar und niemals kitschig.

Was, glaubt ihr, hätte sich der verstorbene Mensch für euch gewünscht?

Manchmal begegnet uns auch eine andere Sorge: Paare, die kurz nach dem Verlust eines Elternteils gar nicht mehr feiern möchten – aus Angst, es könnte pietätlos wirken. Auch aus unserer Erfahrung als Trauerrednerinnen stellen wir dann gerne eine Gegenfrage: Was, glaubt ihr, hätte sich der verstorbene Mensch für euch gewünscht? Wie hätte er auf dieses Fest reagiert – und was würde er wohl empfinden, wenn er sehen könnte, dass ihr euch gemeinsam auf den Weg gemacht habt, um nach dem Glück zu suchen?

Meistens ist die Antwort darauf sehr klar. Und oft ist genau das der Moment, in dem aus Zögern wieder Vorfreude wird.